Vom Büro zu Balkonien? Wie dein Ruhestand mehr sein kann als „Papa ante portas“
Die Szene, die alles verändert
Stell dir vor: Jemand in deiner Familie oder deinem Umfeld steht kurz vor dem Renteneintritt und plötzlich wird aus einem freudigen Ereignis ein Moment der Unsicherheit. Nicht wegen Geldsorgen oder gesundheitlicher Probleme, sondern weil der Alltag, der jahrzehntelang strukturierte Rhythmus, plötzlich wegfällt und die Tage leer erscheinen.
Genau das hat mir eine Kundin im Coaching erzählt und dabei eine Szene aus Loriots Kultfilm „Papa ante portas“ zitiert, die unheimlich treffend beschreibt, was sie und auch viele andere Angehörige fürchten, wenn ein Partner, eine Partnerin oder ein Elternteil in Rente geht.
Eine Frau betritt das Wohnzimmer. Ihr Mann sitzt überraschend auf der Couch, die Hände vor dem Bauch gefaltet, und blickt sie an. Sie fragt ihn: „Was machst du denn hier?“, und er antwortet „Ich wohne hier.“ Die Frau wirft die Hände hoch: „Aber doch nicht jetzt!“
Die Szene endet in einem leisen Drama: Der Mann fühlt sich überflüssig, die Frau fühlt sich in ihrem bisherigen Tagesablauf gestört, beide wissen nicht, wie es weitergehen soll.
Doch der Ruhestand muss kein Drama sein. Er kann sogar der Beginn einer neuen Karriere werden, wenn man ihn richtig angeht. Und genau das hat der Vater meiner Kundin mit meiner Unterstützung gemacht. Sie sagte, was ihr geholfen habe einen neuen Job zu finden, würde bestimmt auch ihrem Vater helfen, seinen Ruhestand so zu gestalten, dass er damit glücklich und zufrieden ist. Wir haben nicht abgewartet, bis die Langeweile kommt, sondern geplant, was ihm im Ruhestand Freude, Sinn und Struktur geben kann.
Und du? Kennst du jemanden, der kurz vor der Rente steht und plötzlich unsicher wird, was dann kommt? Dann lies weiter. Denn der Ruhestand ist kein Ende der Karriere, sondern ein neues Kapitel voller Möglichkeiten.
Warum der Ruhestand kein „Ende“, sondern ein „Neubeginn“ ist
Stell dir den Ruhestand als einen neuen Job vor, einen in dem es nicht mehr so sehr ums Ziele erreichen und Geld verdienen geht, mehr um einen Job, der voll und ganz nach deinem Geschmack ist. Stell dir vor, du bekommst nochmal einen großen Batzen Freiheit und Lebenszeit zur freien Verfügung.
Zugegeben, für viele fühlt sich der Ruhestand zunächst nicht so an. Der geregelte Tagesablauf fällt weg. Die langjährige Anerkennung durch die Arbeit ist plötzlich nicht mehr da, kein Büro, kein Titel. Status: Rentner.
Oft kann die neu gewonnene Freiheit nicht darüber hinweg helfen, auch wenn nicht mehr aufstehen müssen, nicht mehr ins Büro fahren müssen, Frühstücken so lange man will erstmal sehr schön sein können. Für viele kommt irgendwann eine Leere.
Fehlende Struktur, ausbleibende Anerkennung etc. münden in ein Gefühl nicht mehr gebraucht zu werden. Und das hinterlässt Spuren. Viele Rentner:innen fühlen sich plötzlich wie die Frau in der Szene: „Was machst du hier? Du hast doch ein Leben lang gearbeitet und jetzt? Jetzt, wo du Zeit hast, tust du … was?“
Vielfach bestimmen drei Mythen über den Ruhestand das Bild, die ich zunächst mal kritisch infrage stellen möchte:
Mythos 1: „Rente = Nichtstun“
Realität: Viele Menschen arbeiten heute länger, zum Teil freiwillig, zum Teil aus finanzieller Notwendigkeit. Seit 2023 gibt es die Flexirente, die es Rentner:innen erlaubt, bis zu 2.000 € im Monat steuerfrei hinzuverdienen. Das bedeutet: Niemand muss „einfach nur rumsitzen“ wenn er oder sie das nicht will. Und immer mehr Rentner können sich auch gar nicht leisten nicht zu arbeiten.
Mythos 2: „Mit Erreichen der Altersgrenze kommt zwingend der Ruhestand.“
Realität: Der Ruhestand kann eine zweite Karriere sein, wenn man ihn als Projekt mit Zielen und Timelines versteht. Beispiele gefällig? Senioren, die als Nachhilfelehrer:innen, Museumsführer:innen oder sogar als Gründer:innen neuer Kleinunternehmen durchstarten.
Mythos 3: „Ich bin zu alt für Neues.“
Realität: Unser Gehirn ist bis ins hohe Alter formbar und neue Fähigkeiten (Sprachen, Instrumente, ein Handwerk) können nicht nur Freude, sondern auch neue Identitäten schaffen. Ein Beispiel: Ein ehemaliger Manager, der jetzt als ehrenamtlicher Steuerberater für Vereine arbeitet, findet so eine neue Aufgabe, Anerkennung und Struktur. Bei mir im Ort findet regelmäßig ein Reparatur-Café statt, Rentnerinnen und Rentner nutzen ihre handwerklichen Fähigkeiten und ihre Lust an der Tüftelei um kaputte Geräte wieder instand zu setzen.
Warum viele Angst vor der Rente haben
Für manche ist der Ruhestand eine Erlösung von den Mühen der Arbeit, aber für viele andere auch sowas wie ein Schock. Arbeit ist eben oft mehr ist als nur ein Job, sie ist:
- Identität („Ich bin der/die Projektmanager:in“)
- Soziale Anerkennung („Ich werde von Kolleg:innen gebraucht“)
- Struktur des Alltags („Ich weiß, wann ich aufstehen muss“)
Und wenn diese drei Säulen plötzlich wegbrechen, entsteht oft ein Vakuum das sich in Langeweile, Sinnkrisen oder sogar Konflikten mit dem Partner / der Partnerin äußert. Übrigens, 80 % der Rentner:innen in Deutschland geben an, dass sie ihren Beruf vermissen, weil er ihnen Status, Kontakte und Sinn gegeben hat.
Meine Kundin äußerte, dass sich ihre Mutter Sorgen mache, dass ihr Vater plötzlich jeden Tag zu Hause ist. Diese hatte sich, nachdem die Kinder aus dem Haus gewesen sind, eine Karriere als ehrenamtliche Co-Geschäftsführerin einer Kleiderkammer aufgebaut. Ihre Mutter fürchte, dass ihr Mann ihr fürchterlich auf die Nerven gehe, wenn er nur zu Hause sein würde.
Die Loriot-Szene ist also kein Witz, sie ist mehr eine Warnung: Was passiert, wenn jemand plötzlich keinen Plan mehr hat? Er„wohnt da“, aber nicht als Rentner, der endlich Zeit für sich hat, sondern als Mensch, der sich fragt: „Was mache ich hier?“
Der Plan: So gelingt der Übergang in den Ruhestand
Drei konkrete Schritte, wie der Ruhestand aktiv gestaltet werden kann, ohne Drama, aber mit Sinn und Struktur.
Schritt 1: „Was kannst du gut und was machst du gerne?“
Wer in den Ruhestand geht, hat ca. 40 Jahre lang etwas gelernt. Und das ist kein Ballast, sondern ein Schatz, denn
- „Was ich kann“ sind Skills, die aus dem Beruf mitgenommen werden (z. B. Organisieren, Lehren, Handwerken)
- „Was ich gerne mache“ sind Tätigkeiten, die auch privat Spaß machen (z. B. im Verein mitarbeiten, Nachhilfe geben)
Das ist wichtig, weil Arbeit oft mit Identität verknüpft ist und der Ruhestand kein Grund sein muss, diese Identität aufzugeben, sondern eine Chance sie neu zu erfinden.
Schritt 2: „Welche Werte sind dir wichtig?“
Aus Werten können sich vielfältige Ansätze ergeben, die bei der Gestaltung der Karriere im Ruhestand richtungsweisend sein können. Aus dem Wert Freiheit könnte sich zum Beispiel „kein 9-to-5 Job mehr“ ergeben, aus sozialem Engagement wird ein Ehrenamt, z. B. Nachhilfe oder Hausausgabenbetreuung und aus Kreativität wird ein Malkurs, ein Chor oder ein Orchester. Sollen Struktur und finanzielle Sicherheit noch mit von der Partie sein, helfen regelmäßige Termine aufgrund einer Vereinsmitgliedschaft und ein Minijob.
Es gibt viele andere Beispiele, wie sich deine Werte in konkrete Tätigkeiten während der „Second Life Career“ umsetzen lassen.
Schritt 3: „Was willst du NICHT mehr?“
Der Ruhestand muss kein Projekt mit Deadline sein, aber er darf auch gerne als Chance genutzt werden, alte und ungeliebte Muster über Bord zu werfen, um das Leben nach eigenen Vorstellungen zu gestalten.
Denn: „Was ich nicht mehr will“ sind klare Grenzen, die gesetzt werden können (z. B. eben „Kein 9-to-5 mehr“, „Keine Hierarchien“, etc.).
Ich halte diese Frage für wichtig, weil viele Rentner:innen sich zunächst fragen: „Was mache ich jetzt“, und die Antwort darauf neue Zwänge, sondern Freiheit und Selbstbestimmung sein sollen.
Fazit: Dein Ruhestand, deine Regeln
Der Ruhestand ist kein Schicksal, sondern eine Chance zur Neuerfindung. Fähigkeiten, Vorlieben und Werte bilden einen guten Kompass. Sich diese in einem strukturierten Prozess bewusst zu machen hilft, das eigene Boot „Rente“ auf Kurs zu bringen. Was anderen hilft, sich während des Erwerbslebens neu zu erfinden, wenn es um die Suche nach einem neuen Job geht, kann dir auch helfen, deinen Weg in den Ruhestand gut vorzubereiten.
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Verfasst / Aktualisiert am:
21.04.2026
Bildnachweis:
Erstellt mit ChatGPT by Christian Brackelmanns