Im Januar 2025 habe ich erstmals einen Blogartikel über den Einfluss von KI auf das Bewerbungsgeschehen geschrieben. Seit dem begleitet mich das Thema Bewerbung & KI kontinuierlich und es sind weitere Blogartikel dazu erschienen. Nun ist es an der Zeit mal wieder auf das Thema zu schauen.
In diesem Blogbeitrag erfährst du, wie die Situation aktuell im Frühjahr 2026 ausschaut, was sich vielleicht gegenüber 2025 geändert hat und auch was geblieben ist.
Wenn du tiefer einsteigen möchtest, verlinke ich dir am Ende nochmal die bisherigen Artikel zum Thema.
Aktuelle Studienergebnisse
Die Softgarden e-recruiting GmbH hat vor kurzem eine interessante Studie veröffentlicht, die eine Serie von vorhergehenden Studien fortsetzt. Das Spannende daran ist also vor allem, dass sich hier eine Entwicklung über die Zeit ablesen lässt, die eine Antwort auf die Frage gibt, was sich eigentlich verändert hat.
Befragt wurden im Sommer 2025 ca. 7.000 Bewerberinnen und Bewerber zu ihrem Nutzungsverhalten von KI-Tools. Dabei lag der Fokus auf der Nutzung von KI-Tools für Bewerbungsaktivitäten.
Quantitative KI-Nutzung
Während im Frühjahr 2023 nur knapp 13 % aller Bewerbenden angaben, KI-Tools für die Bewerbung einzusetzen stieg der Anteil der Nutzerinnen und Nutzer unter den befragten Bewerbenden bis Mitte 2025 auf ca. 43 % an. Das sind mehr als dreimal so viele wie Anfang 2023.
Gleichzeitig halbierte sich die Zahl der KI-Skeptiker unter den Bewerbenden. Während zu Beginn 2023 noch 50,7 % sagten, KI-Einsatz sei „Betrug“ oder „zu kompliziert“, sind es in der aktuellen Umfrage nur noch 26,5 %.
Wobei ich es dennoch bemerkenswert finde, dass immer noch gut jede vierte Person den Einsatz von KI im Bewerbungskontext kritisch sieht. Eine Haltung, die ich aus verschiedenen Gründen, absolut nachvollziehen kann. Dazu später mehr.
Interessant ist auch zu sehen, wie sich die Nutzung von KI-Tools in verschiedenen Altersgruppen von Bewerbenden darstellt. Wobei die Studie leider keine Auskunft darüber gibt, wie die Zahl der Teilnehmenden in den verschiedenen Altersgruppen ist. Ich betrachte daher besonders ein Ergebnis mit vorsichtiger Zurückhaltung.
Aber zu den Zahlen:
In der Altersgruppe der 25-44 Jährigen nutzt knapp jeder Zweite KI-Tools im Bewerbungsprozess, während es bei älteren Bewerbenden nur etwas mehr als ein Viertel ist. Ein Ergebnis, welches ich für durchaus erwartbar halte.
Interessant wird es bei den unter 25 Jährigen. Hier nutzen nur knapp ein Drittel der Teilnehmenden KI-Tools für Bewerbungen. Aus meiner Sicht steht dies im Widerspruch zu sonstigen Umfragen, bei der die Nutzung von KI-Tools für alle möglichen Zwecke gerade in dieser Altersgruppe sehr viel höher liegt. Je nach Studie findet man hier Nutzungsquoten von 60% bis über 90%. Es erscheint mir daher schwer nachvollziehbar, dass ausgerechnet diese Altersgruppe bei Bewerbungen auf den Einstz von KI verzichtet.
Ein Drittel derjenigen, die KI-Tools für ihre Bewerbungen nutzen, setzt übrigens konsequent bei jeder Bewerbung auf den Einsatz von KI-Tools.
Und Frauen liegen mit 43,7 % bei der KI-Nutzung für Bewerbungen knapp vor den Männern mit 42,8 %. 😉
Wozu werden KI-Tools bei der Bewerbung genutzt?
Wenn wir uns anschauen, wozu Bewerbende KI-Tools einsetzen, dann sagen mehr als 80 %, dass sie ihre Bewerbungsunterlagen mit Hilfe von KI-Tools verbessern. Aus meiner Sicht erfordert das eine tiefergehende Betrachtung, wie Bewerbende KI-Tools konkret zur Verbesserung einsetzen. Hier liefert die Studie aber keine weitergehenden Erkenntnisse. Aus meiner Sicht birgt der Einsatz von KI-Tools eine Gefahr, auf die ich später nochmal eingehen werde.
Gut Zweidrittel aller Bewerbenden, die KI-Tools einsetzen nutzen diese gezielt zur Vorbereitung auf Bewerbungsgespräche. Das ist aus meiner Sicht eine gute Möglichkeit, KI-Tools zu nutzen. Vorbereitung hilft Nervosität abzubauen und ermöglicht so, gelassener und souveräner im Gespräch aufzutreten.
Ebenfalls bedenklich: Knapp die Hälfte aller Bewerbenden nutzt KI-Tools vor allem um die Zahl der Bewerbungen zu steigern. Auch wenn ich absolut verstehe, dass jemand, der dringend auf einen neuen Job angewiesen ist, sich möglichst schnell bei möglichst vielen potentiellen Arbeitgebenden bewerben möchte – reine Quantität ist aus meiner Sicht und Erfahrung nicht hilfreich und nicht zielführend. Am Ende führt eine große Zahl von direkten Absagen häufig zu Frustration und damit ist Bewerbenden auch nicht geholfen.
Aus meiner Sicht ausbaufähig ist die Nutzung von KI-Tools bei der Suche nach Stellenausschreibungen oder potentiellen Arbeitgebenden, d.h. Zielen einer Initiativbewerbung. Hier nutzen bisher nur knapp 40 % der Bewerbenden KI-Tools.
Welche KI-Tools werden bevorzugt?
Das bei Bewerbenden beliebteste KI-Tool ist mit einer Nutzungsquote von 86 % übrigens ChatGPT. Interessant ist hier auch, dass die wenigsten Bewerbenden heute Tools nutzen, die gezielt für den Bewerbungsprozess von ihren Anbietern auf dem Markt gebracht wurden.
Wenn wir die Veröffentlichung von ChatGPT im November 2022 als Stunde Null der aktuellen KI-Revolution betrachten, befinden wir uns gerade am Anfang von Jahr 4 der Entwicklung und ich bin sehr gespannt, wie sich hier der Markt entwickeln wird.
Aus meiner Sicht und nach meiner bisherigen Erfahrung lohnt sich der Kauf von spezialisierten Tools tatsächlich in der Regel nicht. Zum einen reicht für den sinnvollen Einsatz von KI-Tools für Bewerbungszwecke in den allermeisten Fällen die kostenfreie Version der aktuell am Markt verfügbaren Standardmodelle vollkommen aus. Und zum anderen hinken die Anbieter von spezialisierten Tools oft hinterher, was die Verwendung aktueller Modelle von ChatGPT und Co. betrifft. Der Mehrwert ist daher oft sehr überschaubar oder gar nicht gegeben. Bei Schulungen verwende ich daher ausschließlich Beispiele auf Basis kostenfreier Modelle.
Risiken des Einsatzes von KI-Tools
Die Studie liefert auch einen kleinen Einblick in die von Bewerbenden wahrgenommenen Risiken. Wobei die Zahl derjenigen, die ein Risiko sahen, mit 6,5 % sehr gering ist. Hier wurde vor allem der Effekt des „Overengineering“ genannt. So äußerten Bewerbende in den Kommentaren, dass sie zum Beispiel die Erfahrung gemacht hätten, dass sehr professionelle Unterlagen die Erwartungshaltung auf Seiten des Unternehmens nach oben verschoben hätten, was als Druck empfunden wurde. In einem anderen Kommentar wird thematisiert, dass in der Bewerbung Begriffe benutzt wurden, die die bewerbende Person selbst nicht gut kannte und daher auch nicht erklären konnte, was als peinlich erlebt wurde.
Diese Beispiele zeigen aus meiner Sicht sehr gut, welches Problem der unkritische Einsatz von KI-Tools bei der Erstellung von Bewerbungsunterlagen mit sich bringt. Wie wir oben gesehen haben, nutzen mehr als 80 % KI-Tools zur Verbesserung ihrer Bewerbungsunterlagen. Dagegen ist zunächst einmal nichts zu sagen – aber eben nur, wenn der Einsatz von KI-Tools tatsächlich zu einer qualitativen Verbesserung deiner Unterlagen führt. Und das heißt für dich vor allem, dass du von KI-Tools generierte Texte keines Falls einfach so übernehmen solltest. Prüfe immer, ob das Produkt der KI tatsächlich zu dir passt und ob du im Zweifel alles auch mit deinen eignen Worten im Gespräch glaubhaft widergeben und erklären könntest.
Aus genau diesem Grund sehe ich auch kritisch, dass ca. 50 % KI-Tools lediglich zur Steigerung des Outputs in Form von mehr Bewerbungen nutzen. Dieses Mehr an – oft qualitativ schlechten – Bewerbungen sorgt bei Recruiter:innen auf Seiten der Arbeitgebenden mehr und mehr für Frustration. Desweiteren befeuert es weiteres Aufrüsten was den Einsatz von Technologie betrifft, um der Flut von Bewerbungen beizukommen. Das ist aus meiner Sicht eine sehr bedauerliche Entwicklung, die niemandem Hilft (außer vielleicht den Anbietern von Recruiting-Software, die damit nette Umsätze generieren).
In diesem Zusammenhang bemerkenswert ist eine Äußerung in der Studie, nach der „wer heute ein Anschreiben liest, darin möglicherweise weniger Einblicke in die Motivation oder Persönlichkeit der Bewerbenden bekommt, als in deren Fähigkeit, Tools zu benutzen.“ (sinngemäß widergegeben). Eine Aussage, die ich zwar nachvollziehen kann, aber gleichermaßen kritisch sehe. Denn nicht alles Bewerbenden nutzen KI-Tools ausschließlich in nicht sinnvoller Weise. Trotzdem zeigt die Äußerung wie der Einsatz von KI-Tools auf Arbeitgeberseite möglicherweise gesehen und eben nicht zu deinem Vorteil gedeutet wird.
Was die Nachteile und Risiken des Einsatzes von KI-Tools zur Optimierung deiner Bewerbungsunterlagen betrifft, vermisse ich in der Studie ein aus meiner Sicht extrem wichtiges Thema und das ist der Datenschutz.
Wie oben angesprochen, steht immer noch etwas mehr als ein Viertel der Bewerbenden dem Einsatz von KI-Tools kritisch gegenüber. Mangels konkreter Aussagen in der Studie kann ich nur mutmaßen, was die Gründe für die Skepsis sind. Wobei ich das nicht als Vorwurf an die Studie verstanden wissen möchte, denn das war auch gar nicht der Auftrag. Insofern kann ich nur vermuten, ob die Skeptiker vor allem Datenschutz-Themen im Blick haben, wenn sie ihre skeptische Haltung zum Ausdruck bringen.
Fakt ist, und das möchte ich vor allem denjenigen in Erinnerung rufen, die KI-Tools intensiv für Bewerbungszwecke nutzen, dass personenbezogene Daten in KI-Tools wie ChatGPT und Co. nichts zu suchen haben. Eine sichere, datenschutzkonforme Nutzung von KI-Tools ist im Grunde derzeit nur mit anonymisierten Unterlagen möglich. Alternativ kommt die rein lokale Nutzung von Large Language Modellen auf eigenen Rechnern in Frage. Aber das übersteigt in der Regel die Möglichkeiten normaler Nutzer:innen und ist -zugegeben- auch eher unkomfortabel. Aus meiner Sicht ist daher die Pseudonymisierung deiner Unterlagen das absolute Minimum an Risikominimierung, welches du betreiben solltest. Leider erlebe ich, dass sehr viele Menschen allzu leichtfertig mit ihren personenbezogenen Daten umgehen und diese vollkommen unkritisch und ungefiltert den KI-Tools zur Verfügung stellen.
Mein aktuelles Fazit:
Immer mehr Bewerbende setzen bei ihren Bewerbungsbemühungen auf die Unterstützung durch KI-Tools. Und das ist in Ordnung, wenn du bestimmte Spielregeln beachtest.
KI-Tools können dich in allen Phasen der Job-Suche unterstützen, von der Suche nach passenden Stellen oder Unternehmen, über die Erstellung von guten Bewerbungsunterlagen, bis hin zur Vorbereitung von Bewerbungsgesprächen. Und das können die Tools heute tatsächlich sogar noch etwas besser als Anfang 2023, einfach weil die Sprachmodelle immer besser geworden sind.
Was sich jedoch nicht geändert hat sind die Bedenken hinsichtlich der Datenschutz-Themen rund um den Einsatz von KI-Tools.
Was sich darüber hinaus nicht geändert hat und sich sicher auch nicht kurzfristig ändern wird – KI-Tools schreiben dir nicht automatisch die besseren Bewerbungen. Damit eine Bewerbung besser wird kannst du auf Unterstützung von KI-Tools setzen und dir Vorschläge und Entwürfe schreiben lassen. Damit deine Bewerbung aber wirklich nach dir klingt ist es immer noch erforderlich, dass du dich hinsetzt und die Entwürfe überarbeitest und anpasst.
Das liegt auch ganz grundsätzlich an der Arbeitsweise von Large Language Modellen, die mit Hilfe statistischer Wahrscheinlichkeiten Texte ausspucken. Sie sind nicht auf Individualität und Passung zu dir programmiert, sondern auf das statistische Mittelmaß – und das bist nicht du.
Weiterführende Links
Hier noch die versprochenen Links auf ältere Blogbeiträge zum Thema:
• Bewerbungs-Foto mit KI
• Maschinenlesbarer Lebenslauf
• KI & Arbeit: Chancen, Risiken, Strategien
• Bewerbung & KI – Tipps & Tricks early 2025
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Verfasst / Aktualisiert am:
10.03.2026
Bildnachweis:
Erstellt mit ChatGPT by Christian Brackelmanns