Stress mit dem Chef?
Was du tun kannst, wenn die Zusammenarbeit zur Belastung wird.
Wenn der Job stimmt, aber der Chef zum Problem wird
Eigentlich magst du deinen Job. Die Aufgaben machen Sinn, du bringst deine Stärken ein, vielleicht identifizierst du dich sogar mit dem Unternehmen. Und trotzdem fühlt sich Arbeit plötzlich schwer an.
Nicht wegen der To-dos, nicht aufgrund der Arbeitsmenge, sondern wegen einer Person: Deiner Führungsperson.
Konflikte mit Führungspersonen gehören zu den häufigsten Stressfaktoren im Berufsleben. Und sie sind besonders belastend, weil ein Machtgefälle mit im Spiel ist. Freunde kannst du dir aussuchen, Kolleg:innen und Chefinnen oder Chefs in der Regel nur sehr eingeschränkt.
Doch was passiert eigentlich, wenn die Zusammenarbeit kippt?
Wenn Kritik nicht greifbar ist und genau das zermürbt
Schwierig wird es vor allem dann, wenn das Problem nicht offen benannt wird. Wenn keine klaren fachlichen Rückmeldungen kommen, sondern eher subtile Bemerkungen. Ein abwertender Kommentar hier, ein ironischer Unterton dort und ein wenig Sarkasmus obendrauf.
Vielleicht wird deine Leistung heruntergespielt, vielleicht deine Kompetenz hinterfragt oder deine Motivation infrage gestellt.
Das Gemeine daran: Es ist nichts Konkretes, woran du arbeiten kannst. Keine klare Erwartung. Kein konstruktives Feedback. Stattdessen bleibt ein diffuses Gefühl zurück, irgendetwas stimmt hier nicht.
Genau das kann enorm verunsichern. Denn unser Gehirn sucht automatisch nach Erklärungen. Und wenn wir keine bekommen, fangen wir oft an, sie bei uns selbst zu suchen.
Der schleichende Zweifel am eigenen Wert
Wiederholte, nicht greifbare Kritik kann dazu führen, dass du dich selbst infrage stellst. Vielleicht denkst du irgendwann:
- „Vielleicht bin ich wirklich nicht gut genug.“
- „Vielleicht bin ich zu empfindlich.“
- „Vielleicht habe ich einfach ein Problem mit Autoritäten.“
Diese innere Verunsicherung ist kein Zufall. Unklare Kommunikation und widersprüchliches Verhalten, zum Beispiel freundlich in großer Runde, kritisch im Vieraugengespräch, können stark an deinem Selbstvertrauen rütteln. Insbesondere wenn sich kritischer Dinge immer nur unter vier Augen abspielen und nie irgendwer etwas mitbekommt, fehlen auch korrigierende Eindrücke von außen.
Gerade engagierte, leistungsbereite Menschen sind dafür anfällig. Du willst verstehen, du willst dich verbessern, du möchtest gute Arbeit leisten. Und wenn das Gefühl entsteht, egal was du tust, es reicht nicht, dann beginnt ein gefährlicher Kreislauf aus Anpassung, Anstrengung und wachsender Erschöpfung.
Raus aus dem Gedankenkarussell: Hol dir Perspektiven von außen
In belastenden Arbeitssituationen neigen wir dazu, alles mit uns selbst auszumachen, einige mehr, andere weniger. Wir grübeln, analysieren, spielen Gespräche innerlich wieder und wieder durch. Doch genau das verstärkt oft die Unsicherheit. Hast du vielleicht selber schon erlebt.
Deshalb ist es so wichtig, den inneren Raum zu verlassen und dir eine Außenperspektive zu holen.
Sprich mit Menschen, denen du vertraust. Freund:innen, Kolleg:innen, Mentor:innen. Nicht, um zu lästern (auch wenn das schon mal sehr befreiend sein kann), sondern um deine Wahrnehmungen zu sortieren. Oft hilft schon die einfache Frage: „Wie wirkt das auf dich?“
Allein das Aussprechen kann Klarheit schaffen. Du merkst, ob dein Gefühl stimmig ist. Und du erkennst, ob es sich vielleicht um ein Missverständnis handelt oder um ein strukturelles Führungsproblem.
Manchmal wird einem sogar erst mit etwas Abstand bewusst, wie sehr und wie lange einen die Situation eigentlich schon belastet. Daueranspannung fühlt sich irgendwann „normal“ an. Bis sie wegfällt, zum Beispiel durch einen Urlaub.
Ich erlebe immer wieder Kund:innen, die mir erzählen, dass sie immer dann krank werden, wenn sie in den Urlaub gehen. Und auch ich habe das früher erlebt. Das ist so ein Phänomen, welches auf Dauerstress am Arbeitsplatz hinweisen kann. Solange der Stress da ist und du „funktionieren musst“, geht alles einigermaßen gut. Aber in dem Moment wo die Anspannung der Entspannung weicht, holt sich der Körper was er braucht.
Selbstreflexion ohne Selbstabwertung
Bei aller berechtigten Kritik an problematischem Führungsverhalten gehört auch ein ehrlicher Blick auf die eigene Rolle dazu. Nicht im Sinne von Schuldzuweisung, sondern im Sinne von Handlungsspielraum.
Frag dich:
- Wo fühle ich mich konkret nicht wertgeschätzt?
- Welche Situationen triggern mich besonders?
- Habe ich meine Erwartungen klar kommuniziert?
- Gab es Momente, in denen ich unausgesprochene Annahmen getroffen habe?
Ebenso kann es hilfreich sein, die Perspektive der Führungskraft mitzudenken. Führung bedeutet Druck von oben, Verantwortung für Ergebnisse, oft auch eigene Unsicherheiten. Das rechtfertigt kein respektloses Verhalten, kann aber helfen, Dynamiken sachlicher zu betrachten.
Wichtig ist: Selbstreflexion darf dich stärken, sie soll dich nicht kleinmachen.
Hier hilft oft Unterstützung von außen, gerade Profis können dich so in deiner Selbstreflexion anleiten, dass du nicht so schnell in die Falle der ungerechtfertigten Selbstkritik tappst.
Wann du handeln solltest
Nicht jeder schlechte Tag ist gleich ein toxisches Arbeitsumfeld. Führungskräfte sind auch nur Menschen mit Stimmungen, Stress und Fehlern.
Doch es gibt klare Warnsignale:
- Du gehst regelmäßig mit einem flauen Gefühl zur Arbeit.
- Du zweifelst dauerhaft an deinen Fähigkeiten.
- Kritik ist persönlich statt sachlich.
- Gespräche bringen keine Klärung.
- Dein Energielevel sinkt spürbar.
Spätestens wenn deine Gesundheit leidet, emotional oder körperlich, ist es Zeit, aktiv zu werden. Denn Arbeitszeit ist Lebenszeit. Und Lebenszeit ist zu wertvoll für dauerhafte Geringschätzung.
Was du konkret tun kannst
Bevor du vorschnelle Entscheidungen triffst, kannst du strukturiert vorgehen:
- Konkrete Situationen sammeln, dein kleines Tagebuch.
Nicht „Er behandelt mich unfair“, sondern: „Im Gespräch am Dienstag sagte er X, ohne mir ein konkretes Beispiel zu nennen.“ Fakten helfen, Emotionen zu sortieren. - Das Gespräch suchen, aber vorbereitet.
Formuliere Ich-Botschaften. Beschreibe Wirkung statt Absicht. Zum Beispiel: „Wenn meine Präsentation pauschal abgewertet wird, ohne konkrete Hinweise, verunsichert mich das und das gefällt mir nicht.“ - Unterstützung ins Boot holen.
Je nach Unternehmensstruktur können die Personalabteilung, Vertrauenspersonen aus dem Team oder der Betriebsrat / Personalrat wichtige Anlaufstellen sein. - Deine Optionen prüfen.
Manchmal reicht ein klärendes Gespräch. Manchmal hilft ein Abteilungswechsel. Und manchmal ist ein Neuanfang der gesündere Weg.
Ein Arbeitsplatz sollte dich fordern, aber nicht systematisch kaputt machen.
Du darfst Respekt erwarten
Viele Menschen halten zu lange durch. Aus Loyalität. Aus Angst. Oder weil sie glauben, sie müssten nur noch ein bisschen besser werden. (Mehr dazu in diesem Blogbeitrag.)
Doch gute Führung basiert auf Klarheit, Respekt und Wertschätzung. Das ist kein Bonus, das ist Grundlage und meiner Auffassung nach nicht verhandelbar.
Wenn du dich in Teilen dieses Textes wiedererkennst, nimm dein Gefühl ernst. Nicht jedes Problem lässt sich sofort lösen. Aber jedes Problem verdient Aufmerksamkeit.
Und manchmal beginnt Veränderung mit einem einfachen Gedanken: Ich muss das nicht einfach hinnehmen.
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Verfasst / Aktualisiert am:
24.02.2026
Bildnachweis:
Erstellt mit ChatGPT by Christian Brackelmanns