Hilfe, ich werde befördert!

Eine Beförderung ablehnen – geht das denn? Und wenn ja, wann sollte ich es tun?

Im Rahmen meines jährlichen Reviews fielen mir zwei Kund:innen auf, die mit einer eher seltenen Frage an mich herangetreten waren. Beiden Personen wurde eine Beförderung in Aussicht gestellt und sie fragten mich, ob sie diese annehmen oder ablehnen sollten.

Du wunderst dich vielleicht – eine Beförderung ablehnen? Warum sollte jemand das in Erwägung ziehen? Mehr Verantwortung, Status und mehr Geld wollen doch alle.

Warum es durchaus klug sein kann, eine Beförderung abzulehnen erfährst du in diesem Blogbeitrag.

 

Hast du schon mal vom Peter-Prinzip gehört?

Das Peter-Prinzip beschreibt auf einfache Weise, warum manche Menschen in ihrer beruflichen Karriere irgendwann nicht mehr so gut sind wie früher. Es besagt: In einer Firma werden Mitarbeitende oft befördert, wenn sie ihre aktuelle Arbeit gut machen. Sie werden so lange befördert bis sie irgendwann eine Position erreichen, für die sie nicht mehr geeignet sind. Das heißt, sie steigen so lange auf, bis sie an einem Punkt landen, an dem sie überfordert sind. Dadurch kann es passieren, dass viele Menschen in deinem Unternehmen in Positionen sitzen, die sie gar nicht optimal ausfüllen können. Einfach, weil sie davor mal sehr gut waren.

Zwei Beispiele:

  • Eine tolle Pflegekraft wird zur Qualitätsmanagerin Pflege befördert, weil sie ein enormes Fachwissen in der Pflege hat und intuitiv sehr gut mit Patient:innen umgehen kann. In ihrer neuen Rolle ist sie kein Naturtalent. Die Einhaltung von Normen zu überwachen macht ihr keine Freude, Daten sammeln und analysieren liegt ihr nicht. Excel ist ihr ein Graus.
  • Oder nehmen wir Max, er arbeitet in einem Elektronikladen und ist ein super Verkäufer. Er versteht die Produkte, redet gerne mit Kunden und macht richtig gute Umsätze. Weil er so gut ist, wird er zum Filialleiter befördert. Jetzt muss er Dienstpläne schreiben, Personalprobleme lösen und den Überblick über das ganze Geschäft behalten. Das ist aber gar nicht seine Stärke, ihm fehlen Erfahrung und Freude am Organisieren und Führen. So wird aus einem großartigen Verkäufer ein eher mittelmäßiger Chef.

 

Genau das ist das Peter-Prinzip in Aktion.

 

Wie kommt es zu solchen Fehlbesetzungen?

Wie wir an den Beispielen oben gesehen haben, waren die beiden Mitarbeitenden in ihrer aktuellen Rolle sehr gut. Vermutlich sind sie ihren Führungspersonen so aufgefallen und wurden für eine Beförderung ausgewählt.

In einer neuen Rolle sind jedoch manchmal ganz andere Faktoren erfolgskritisch, als in deiner aktuellen Rolle. Das gilt ganz besonders dann, wenn du von einer fachlichen Rolle in eine Führungsrolle wechseln sollst.

Führung erfordert ganz andere Kompetenzen als eine fachliche Rolle. Wenn diese nicht vorhanden sind oder nicht vermittelt werden, scheitern viele beim Wechsel in eine Führungsrolle.

Das Beispiel der Pflegekraft zeigt jedoch, dass es nicht nur beim Wechsel in eine Führungsrolle passieren kann, dass du für deine neue Rolle andere Stärken und Fähigkeiten benötigst, als in deiner aktuellen Rolle. Und dabei spielt aus meiner Sicht nicht nur Wissen und Können eine Rolle, auch was dir Freude macht, sollte beachtet werden. Denn wenn du in deiner neuen Rolle überwiegend mit Aufgaben konfrontiert bist, die dir keine Freude bereiten, kann es mit der Motivation schwierig werden. Langfristig besteht das Risiko, dass du in der Rolle nicht glücklich wirst.

 

Weitere Gründe, eine Beförderung kritisch zu sehen

Du solltest dich also vor einer Beförderung immer fragen, ob dir die neuen Aufgaben dauerhaft Freude machen werden. Darüber hinaus solltest du dich kritisch hinterfragen, bringe ich das erfolgskritische Wissen und die erforderlichen Fähigkeiten sowie Kompetenzen mit oder kann ich mir diese zumindest kurzfristig aneignen, unterstützt mich meine Führungsperson und meine Arbeitgeberin ggf. beim Kompetenzerwerb „on the Job“?

Bei dieser Prüfung und diesen Überlegungen können dir Menschen aus deinem Umfeld, die dich gut kennen und dir unabhängig ein Feedback geben können, eine wichtige Stütze bei der Entscheidungsfindung sein. Und manchmal ist es ratsam, unabhängige Beratung durch Profis in Anspruch zu nehmen, bevor du deine Entscheidung fällst.

Darüber hinaus kann es weitere gute Gründe geben, über einen Schritt auf der Karriereleiter noch einmal nachzudenken. Die wichtigsten sind:

  • Familie oder allgemein dein soziales Umfeld,
  • deine Gesundheit und
  • deine Work-Life-Balance.

 

Frage dich immer, was bedeutet die Beförderung für deine Partnerin, deinen Partner, deine Kinder oder andere wichtige Menschen in deinem Leben?

Seid ihr gemeinsam bereit, die mit der Beförderung einhergehenden Konsequenzen zu tragen?

Klar, ein besseres Haushaltseinkommen und mehr finanzielle Spielräume wird wohl jeder gerne nehmen. Aber sind vermehrte Dienstreisen, lange Arbeitstage mit Abendterminen, größere Verantwortung und vielleicht auch größerer Druck das wert? Je nach Lebensphase bedeutet eine neue Rolle auch Verzicht. Verzicht auf die Schulaufführung deiner Kinder, das Fußballspiel am Wochenende und so weiter.

Ich erinnere mich an einen Fall, da wäre der Aufstieg in den Vorstand eines Unternehmens mit erheblichen Einschränkungen verbunden gewesen. Kein Schritt mehr ohne Personenschützer. Und das nicht nur für den Kandidaten, auch für die Familie hätte die exponierte Position einen Umzug in ein Haus bedeutet, welches besser zu schützen gewesen wäre. Mit dem Umzug wäre ein Schulwechsel der Kinder einhergegangen. Insgesamt empfand die Familie die Einschränkung der persönlichen Freiheit als zu groß und der Kandidat entschied sich gegen den Vorstandsposten. Es passte einfach nicht zu seinen und den Vorstellungen seiner Familie vom Leben.

Während meiner Weiterbildung zum Karriereberater diskutierten wir in der Gruppe einen Fall und schließlich sagte unser Trainer, er würde den Kandidaten fragen wollen, was sein Arzt zu der Idee der Beförderung sagt.

Der Kandidat war bereits in einer verantwortungsvollen Position, die mit vielen Konflikten, Stress und Druck verbunden war. Seine Gesundheit war bereits angeschlagen. Ein weiterer Aufstieg hätte vermutlich noch mehr Druck und Stress, noch weniger Erholungsphasen mit sich gebracht. Also, was würde dein Arzt dir raten?

Neben der Familie und deinem sozialen Umfeld gibt es vermutlich noch andere Dinge, die dir wichtig sind und die deine Zeit und Aufmerksamkeit in Anspruch nehmen. Das kann Sport sein, vielleicht spielst du in einer Mannschaft. Oder es ist ein Ehrenamt, ein politisches Engagement. Es gibt viele Möglichkeiten. Diese Dinge drohen bei einer Beförderung vielleicht ins Hintertreffen zu geraten, weil dir die Zeit dafür zukünftig fehlt. Sie sind vermutlich aber auch Ausgleich und Kraftquelle für dich. Überleg dir also gut, welche Teile deiner Work-Life-Balance du im Falle einer Beförderung ggf. verändern oder gar aufgeben müsstest.

 

Aber ich kann ja auch immer zurück

Grundsätzlich besteht natürlich immer auch die Möglichkeit, einen Schritt zurück zu machen, wenn du feststellen solltest, dass die Beförderung doch nicht so ganz deinen Vorstellungen und Erwartungen entspricht. Man spricht dann gerne von Downshifting oder Downsizing.

Ich erlebe jedoch, dass Kandidaten oft erhebliche Schwierigkeiten haben, einen solchen Schritt in die Tat umzusetzen. In meiner Wahrnehmung kennt das allgemeine Karriereverständnis in Deutschland immer noch überwiegend nur eine Richtung – die Leiter rauf.

Wer die Karriereleiter runter möchte, stößt oft auf Vorurteile und Zweifel. Häufig wird eine Bewerbung gar nicht erst näher in Erwägung gezogen. Die oft gehörte Begründung für eine Absage: „Sie sind ja total überqualifiziert.“

Aus meiner Sicht verschenken Unternehmen hier viel Potenzial. Wer einen Schritt zurückgehen möchte, muss sich oft rechtfertigen und erklären. Vielfach wird ihm aber gar nicht erst zugehört.

 

Mein Fazit

Eine Beförderung bringt oft viele Vorteile mit sich und wenn es genau das ist, was du kannst und was du willst, dann mach es. Du wirst sicher viel Neues lernen und dich weiterentwickeln. Aber prüfe dich selbst gründlich und vergiss nicht, auch dein privates Umfeld in die Entscheidung mit einzubeziehen.

 

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Verfasst / Aktualisiert am:
27.01.2026

Bildnachweis:
Erstellt mit ChatGPT by Christian Brackelmanns

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