Mut zur Lücke

Lebensläufe sind nicht immer gradlinig und auch nicht immer lückenlos. Viele Bewerbende nehmen eine Lücke in ihrem Lebenslauf als Problem war und sie macht ihnen permanent Stress.

In diesem Blogbeitrag erfährst du, wie du souverän mit Lücken in deinem Lebenslauf umgehst und der Stress mit der Lücke ein Ende hat.

 

Wann ist eine Lücke eigentlich eine Lücke im Lebenslauf?

Lücken im Lebenslauf können auf viele verschiedene Gründe zurückgehen. Am häufigsten entstehen Lücken, wenn die Erwerbsbiografie aufgrund von Jobverlust einen Knick bekommt. Der eine Job endet und ein neuer Anschlussjob ist noch nicht in Sicht. Gerade in Phasen des Arbeitsmarktes wie der aktuellen, in der viele Bewerbende auf eine offene Stelle kommen, kann es leicht passieren, dass du zum Ende deines Jobs noch keine neue Position gefunden hast, egal wie sehr du dich um einen neuen Job bemüht hast.

Oft entstehen Lücken im Lebenslauf aber auch am Übergang von der Ausbildung in das eigentliche Berufsleben. Hast du deine Berufsausbildung in einem Unternehmen absolviert und wirst im Anschluss an die Ausbildung in ein Angestelltenverhältnis übernommen, läuft alles prima. Das ist aber nicht garantiert und oftmals müssen Auszubildende am Ende ihrer Ausbildung eine Beschäftigung bei einem anderen Arbeitgebenden als ihrem Ausbildungsbetrieb suchen.

Das muss auch gar nichts mit der Leistung während der Ausbildung zu tun haben. Zum einen bilden manche Arbeitgeber über den eigenen Bedarf aus und zum anderen kann die wirtschaftliche Situation des Ausbildungsbetriebes am Ende der Ausbildung völlig anders sein, als bei Beginn. Und vielleicht war der Ausbildungsbetrieb auch nicht so doll, dann ist es absolut richtig, das Ende der Ausbildung zu nutzen und eine Verbesserung zu suchen.

Gleiches gilt auf für Studierende. Der Übergang vom Studium ins Arbeitsleben gelingt auch hier nicht immer nahtlos. Auch hier spielt die Arbeitsmarktsituation eine große Rolle. Während in der Vergangenheit geburtenstarke und damit absolventenstarke Jahrgänge manchmal auf einen angespannten Arbeitsmarkt trafen, ist es aktuell neben der wirtschaftlichen Lage in Deutschland der Einfluss von Künstlicher Intelligenz, der vielen Absolventinnen und Absolventen den Einstieg schwerer macht.

Ein weiterer Grund sind besondere Lebensumstände, die zu Lücken führen können. Das kann zum Beispiel ein schwerer Unfall, eine schwerwiegende Erkrankung oder ein Schicksalsschlag sein, der sich auf das Arbeitsleben auswirkt. Eine Lücke kann aber zum Beispiel auch entstehen, wenn der eine Partner einen Karriereschritt macht, dafür umzieht und der andere Teil der Partnerschaft am neuen Wohnort nicht gleich ebenfalls einen neuen Job findet. Insbesondere bei einem Wechsel ins Ausland ist es für den mitgehenden Teil der Partnerschaft oft schwierig, im Gastland sofort einen Job zu finden.

 

Warum sind Lücken im Lebenslauf eigentlich ein Problem?

Lücken im Lebenslauf werden zum Problem, weil Menschen diesen negative Bedeutungen geben.

Eine Lücke wird gleichgesetzt mit Faulheit, Fehlverhalten, Scheitern usw. Diese meist negativen Deutungen sind zum Teil kulturell geprägt, zum anderen gehen sie auf einen psychologischen Effekt zurück, der uns Menschen eigen ist.

Eine Lücke bedeutet eine fehlende Information. Fehlende Informationen bedeuten Unsicherheit und die wollen wir gerade bei Personalentscheidungen vermeiden. Wir neigen von Natur aus dazu, bei fehlenden Informationen und Unsicherheit eher schlimme Dinge anzunehmen. Der eine mehr, der andere weniger.

In einem Seminar mit angehenden Personalern habe ich Lebensläufe von Bewerbenden analysieren lassen. Einige Lebensläufe hatten Lücken, andere nicht. Die ohne Lücken wurden durchweg positiver wahrgenommen, als die mit.

Als ich die Teilnehmenden gebeten habe, zu überlegen, was Hintergründe für die Lücken sein könnten, wurden teilweise wilde Ideen geboren. In einem Fall erklärte die Teilnehmerin die Lücke von 18 Monaten mit einer Haftstrafe des Bewerbers, die dieser verheimliche wolle.

Erst als ich nach einer Sammlung verschiedener Erklärungsmöglichkeiten ganz ausdrücklich nach Hintergründen gefragt habe, die nicht negativ sind, kamen auch Ideen für Erklärungen, die den Lebenslauf sogar aufwerteten.

 

Wie gehe ich mit einer Lücke um?

Zunächst mal stellt sich aus meiner Sicht die Frage, ob es überhaupt eine Lücke gibt.

Manchmal entstehen Lücken nur aufgrund der Struktur, die wir für die Darstellung des Lebenslaufs gewählt haben. Das passiert zum Beispiel schnell, wenn jemand zunächst eine Berufsausbildung absolviert, dann arbeitet, um dann doch noch ein Vollzeitstudium zu absolvieren.

Üblicherweise packt man dann die Berufsausbildung und das Studium im Lebenslauf in eine Rubrik „Ausbildung“ und der Job im Anschluss an die Berufsausbildung ist die erste Station unter „Berufserfahrung“. Der Job nach dem Studium ist dann unter „Berufserfahrung“ die nächste Station, die aber eben nicht nahtlos an den ersten Job anschließt. Es schaut also so aus, als gäbe es da eine Lücke in der Erwerbsbiografie. Besonders in diesen Fällen empfehle ich die Aufteilung in „Ausbildung“ und „Berufserfahrung“ aufzugeben und auch den Ausbildungsweg chronologisch in der Rubrik „Berufserfahrung“ abzubilden.

Darüber hinaus ist aus meiner Sicht eine kurze Übergangsphase zwischen Ausbildungs- oder Studienende und einem Job heute absolut normal und keine „echte“ Lücke. Das gleiche gilt aus meiner Sicht für kurze Phasen zwischen zwei Jobs. Sofern diese Phasen drei Monate nicht überschreiten, sehe ich diese als heute vollkommen normal an und damit sind sie eigentlich keiner gesonderten Erwähnung wert. Erst wenn die Phase zwischen zwei Jobs länger wird, macht es Sinn, über eine Erklärung nachzudenken.

Auf keinen Fall empfehle ich, Lücken zu frisieren oder den Versuch der Verheimlichung zu unternehmen. Manchmal sehe ich Lebensläufe in denen dann nur Jahreszahlen für den Beginn und das Ende eines Job stehen. Manchmal wechselt in einem Lebenslauf plötzlich die Benennung von einer Angabe mit Monaten und Jahren zu nur Jahre. Das macht es eher schlimmer als besser. Fliegt der Schwindel dann auch noch auf, weil z.B. im eingesandten Zeugnis Daten stehen, die nicht zu den Angaben im Lebenslauf passen, hast du schon zu Beginn des Bewerbungsprozesses Vertrauen verspielt und meist keine Chance mehr. Daher empfehle ich, steh zu deinen Lücken, wenn es welche gibt.

 

Sollte ich Lücken einfach Lücken sein lassen oder erklären?

Wir haben oben gesehen, dass Menschen dazu neigen fehlende Informationen tendenziell negativ zu bewerten. Darüber hinaus zeigen die oben genannten Beispiele, dass es auch absolut nachvollziehbare Erklärungen für eine Lücke geben kann. Ich plädiere daher dafür, Lücken zu benennen. Geschätzte Kollegen von mir haben hier den Begriff „Phase zwischen zwei Jobs“ geprägt, den ich gerne aufgreife und als Benennung für die Lücke im Lebenslauf empfehle.

Bei kürzeren Lücken bis zu drei Monaten reicht diese Bezeichnung in der Regel auch aus und es braucht keine weitere Information. Bei größeren Lücken, empfehle ich einen kurzen, prägnanten erklärenden Satz. Bei einer Erkrankung könnte dann zum Beispiel „Arbeitsunfähigkeit nach schwerem Autounfall – vollständig genesen“ stehen. Bei einem familiär bedingten Umzug mit anschließendem Jobwechsel könnte zum Beispiel genau das auch als Begründung für die Lücke genannt werden. Auch die Pflege von Angehörigen ist immer wieder ein Beispiel für eine Lücke und darf als solche auch genannt werden, denn ich finde es sehr ehrenhaft jemanden zu pflegen.

Und wenn du dir eine längere Auszeit genommen hast, um zum Beispiel die lange ersehnte Reise zu machen, dann solltest du auch dazu stehen und das genauso schreiben. Vielleicht hast du in der Zeit auch Dinge gelernt, die für den neuen Job relevant sind, dann schreib es an dieser Stelle in deinen Lebenslauf.

 

Und was mache ich, wenn ich wirklich „im Knast gesessen“ habe?

Auch hier empfehle ich schonungslose Offenheit und Ehrlichkeit. Es ist passiert, es ist Teil deines Lebens. Wenn dich ein Arbeitgebender aufgrund dessen nicht einstellen will, dann ist das so. Insbesondere wenn der Grund für die Haftstrafe jobrelevant ist (zum Beispiel Diebstahl bei einem Kassierer), wird ein Arbeitgebender ein berechtigtes Interesse haben, zu erfahren, was in der Zeit war. Für andere Tätigkeiten ist deine Haft eher nicht relevant und auch nicht unbedingt ein Hindernis. Es gibt genug Arbeitgebende, die bereit sind, eine neue Chance geben. Offenheit und Transparenz sind in dieser Situation nach meiner Erfahrung das erfolgversprechendere Konzept im Vergleich zur Strategie der Vertuschung, des Verheimlichens und des Versteckens.

Auch wenn deine Lücke im Lebenslauf auf eine schwere Erkrankung zurückzuführen ist, empfehle ich damit offen umzugehen. Ich verstehe, dass du das vielleicht zunächst nicht möchtest. Vielleicht weil du damit abschließen möchtest, vielleicht weil du Ablehnung befürchtest. Es gibt viele nachvollziehbare Gründe, eine Erkrankung nicht im Lebenslauf öffentlich zu machen. Trotzdem gilt auch hier, du kannst nichts für deine Erkrankung und sie gehört nun zu deinem Leben dazu, mit allem was damit verbunden ist. Wenn du sie verheimlichst und es kommt dann doch raus, ist Vertrauen verspielt. Es ist aber auch die Chance vertan, einer Arbeitsplatz zu finden, der zu dir und deinem Leben passt.

 

Mein Fazit

Es lohnt sich Mut zur Lücke zu haben. Lücken entsprechend zwar nicht dem althergebrachten Verständnis von einem „guten Lebenslauf“, sie sind jedoch trotzdem normal und es hat sie immer schon gegeben. Das Leben folgt eben nicht unbedingt einer Ideallinie. Das haben inzwischen auch viele Arbeitgebende, Mitarbeitende in Personalabteilungen und Führungspersonen verstanden. Die Angst vor der Lücke ist vielleicht heute mehr ein Mythos als eine reale Bedrohung.

Daher sage ich: „Mut zur Lücke!“

 

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Verfasst / Aktualisiert am:
13.01.2026

Bildnachweis:
Erstellt mit ChatGPT by Christian Brackelmanns

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