Kürzlich diskutierte ich wiedermal mit einer Gruppe von Schülerinnen und Schülern über ihre beruflichen Wünsche und Perspektiven. Im Zuge dieser Runde wurde ich gefragt, was ich Schülerinnen und Schülern raten würde, die in den kommenden Jahren mit der Schule fertig werden und auf den Ausbildungs- und Arbeitsmarkt kommen. Hier meine Gedanken dazu.
Arbeitslosigkeit auf hohem Niveau
Wir befinden uns am Ende des Jahres 2025 in einer Phase, die von vielen als sehr widersprüchlich wahrgenommen wird. Auf der einen Seite haben wir wieder viel mehr arbeitsuchende Menschen als in den letzten Jahren. Andrea Nahles, die Chefin der Bundesagentur für Arbeit (BA), sagte in einem Gespräch mit dem Nachrichtenportal web.de News, der Arbeitsmarkt sei seit Monaten wie ein Brett, es komme kein Schwung rein. Viele Vorhersagen rechnen zu Beginn des Jahres 2026 mit über 3 Millionen erwerbslosen Menschen in Deutschland, die Arbeit suchen. Das hatten wir vor dem Jahr 2025 zuletzt im Frühjahr 2015.
Fachkräftemangel in vielen Bereichen
Auf der anderen Seite kann ich die Nachrichten vom Fachkräftemangel kaum noch zählen. Es vergeht kein Tag, an dem nicht irgendwo ein Artikel zu diesem Thema veröffentlicht wird. Fasst man die vielen Berichte und Nachrichten zusammen, ergibt sich aus meiner Sicht ein differenziertes Bild: Ende 2025 wird der Fachkräftemangel vor allem in beruflich qualifizierten Tätigkeiten mit dualer Ausbildung sowie in bestimmten Kompetenzfeldern rund um Digitalisierung, Energiewende, Gesundheit/Pflege und Bildung als besonders angespannt beschrieben. Auch akademische und höherqualifizierte Fachkräfte fehlen insbesondere in IT/MINT, Ingenieurwesen, Gesundheitsberufen und im Lehramt.
Berufsaussichten von Akademiker:innen
In den vergangenen Monaten spürten auch Akademiker:innen deutlicher Druck am Arbeitsmarkt. Zum einen waren sie stärker als in der Vergangenheit von Arbeitsplatzabbau und Kündigungen betroffen. Zum anderen häufen sich Berichte, dass junge Akademiker:innen deutlich schwerer einen Einstiegsjob finden, als das in den vergangenen Jahren der Fall war. Holger Schäfer, Forscher am Institut der deutschen Wirtschaft, sieht 2026 trotz des Fachkräftemangels weiterhin vor allem auch Akademiker:innen als Verlierer auf dem Arbeitsmarkt. „Überproportional betroffen vom Anstieg der Arbeitslosigkeit sind derzeit Akademiker“, sagte IW-Forscher Schäfer in einem Interview. „Wer studiert hat, hatte in der Vergangenheit oft bessere Chancen als Menschen mit Berufsausbildung. Aber diese Zeit scheint für viele zunächst vorbei zu sein. Viele Akademiker finden keine Jobs, weil sie schlicht das Falsche studiert haben und Unternehmen andere Fertigkeiten nachfragen, etwa Kenntnisse beim Programmieren und Informatik. Geisteswissenschaftler dagegen haben schlechte Karten.“ Wobei ich feststellen muss, dass das den Geisteswissenschaftlern schon lange nachgesagt wird und viele trotzdem gute Jobs gefunden haben.
Berufsaussichten im Handwerk
Darüber hinaus sind Handwerker:innen vielfach gesucht. Wer einen Auftrag vergeben möchte, sucht unter Umständen sehr lange und muss meist auch lange auf die Erledigung seines Auftrages warten, auch wenn sich die Lage hier gegenüber vergangenen Jahren etwas entspannt zu haben scheint. Quellen zur Folge wird deutschlandweit für viele Handwerksbetriebe ein durchschnittlicher Vorlauf von knapp neun Wochen (gut zwei Monate) genannt; in diesem Zeitraum sind die Auftragsbücher zu rund 90 Prozent gefüllt. Im Bau- und Ausbauhandwerk liegen die genannten Wartezeiten typischerweise zwischen etwa 10 und 14 Wochen, also rund 2,5 bis gut 3 Monate. Und auch wer sein Auto in die Wartung oder Reparatur bringen möchte, muss sich schonmal auf Wartezeiten einrichten. Also eher positive Aussichten für Jobsuchende mit entsprechender Qualifikation.
Demografie als großer Treiber
Und wenn ich in die Zukunft schaue, dann lese ich bei Enzo Weber vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) „Über 15 Jahre verliert Deutschland aus Alterungsgründen sieben Millionen Arbeitskräfte, wenn es keinen Ausgleich gibt.“ Warum? Weil in den kommenden Jahren sehr viele Menschen die Regelaltersgrenze für die Rente erreichen werden und die meisten dann auch tatsächlich aus dem aktiven Berufsleben ausscheiden werden. Die nachfolgenden, geburtenschwächeren Jahrgänge gleichen die Zahl der Ausscheidenden bei weitem nicht aus.
Künstliche Intelligenz als Megatrend
Es war November 2022 als OpenAI sein erstes Sprachmodell in Form von ChatGPT der Weltöffentlichkeit zugänglich machte, das ist jetzt 3 Jahre her. Seit dem sind einige andere Anbieter ebenfalls in den Markt eingetreten und Künstliche Intelligenz (KI) ist seitdem gefühlt überall. Zweifellos haben diverse KI-Modelle seit dem unglaublichen Fortschritt gemacht und KI kann uns in Zukunft an vielen Stellen helfen, schneller und besser zu werden. Gleichzeitig wird intensiv diskutiert, welche Auswirkungen KI auf Jobs und Arbeitsplätze haben wird. Von dystopischen Szenarien, in denen niemand mehr Arbeit hat oder – schöner formuliert – niemand mehr arbeiten muss, bis hin zu Szenarien, in denen sich so gut wie nichts ändern wird, ist für jeden was dabei.
Forschende von IAB und IW erwarten für 2026 keinen massenhaften Wegfall von Arbeit, sondern eine starke Umgestaltung von Tätigkeiten und Qualifikationsanforderungen durch KI. Insgesamt wird mit eher stabiler Gesamtbeschäftigung, aber erheblichen Verschiebungen zwischen Berufen, Branchen und Anforderungsniveaus gerechnet.
Ich persönlich vertrete schon seit längerer Zeit die Auffassung, dass KI zwar sehr viele Jobs verändern wird, aber nicht zu einem massenweisen Wegfall von Arbeitsplätzen an sich führen wird. Wegfallen werden einfachere, repetitive Aufgaben. Die dadurch frei werden Kapazitäten können und müssen in hochwertigere Jobs investiert werden, um weiterhin eine hohe Produktivität und Wertschöpfung zu sichern. Für Beschäftigte bedeutet dies, sich kontinuierlich weiterzuqualifizieren, um mit den Entwicklungen Schritt halten zu können.
Mein Fazit und mein Tipp für dich
Wenn ich heute am Ende meiner Schullaufbahn stünde und eine Entscheidung treffen müsste, wie ich meinen Einstieg in die Arbeitswelt wählen sollte, würde ich all diese Faktoren in meine Überlegungen mit einbeziehen.
Ich würde zunächst einen passenden Ausbildungsplatz suchen, weil ich mit einer abgeschlossenen Berufsausbildung in recht überschaubarer Zeit meine unmittelbare Beschäftigungsfähigkeit sichern kann. Darüber hinaus würde ich bereits Geld verdienen, das ich wiederum in meine weitere Qualifizierung investieren könnte.
Bei der Wahl der Ausbildung würde ich – entsprechende Interessen und Neigungen vorausgesetzt – versuchen, in einen Beruf zu gehen, in dem auf absehbare Zeit Mangel herrschen wird. Also zum Beispiel in einen IT-Beruf, in die Pflege oder ins Handwerk gehen.
Gerade in Deutschland gibt es im Anschluss an eine Berufsausbildung vielfältige Möglichkeiten, sich weiterzuqualifizieren.
Bei meiner eigenen Weiterqualifizierung würde ich das Thema Künstliche Intelligenz eng im Auge behalten und mich da permanent weiterbilden.
Überhaupt ist Weiterbildung langfristig der Schlüssel zu beruflichem Erfolg, von daher würde ich hier nicht stehen bleiben, sondern stetig Zeit und Geld investieren.
Die Zeit in der Ausbildung und vielleicht auch erste Jahre der Berufserfahrung nach der Ausbildung bringen mich über die aktuelle Phase des Umbruchs und der großen Unsicherheit. Darüber hinaus würde ich davon ausgehen, dass ich mit der Zeit mehr darüber lerne, was mir Freude macht, was ich gut kann, wo meine Stärken und Interessen liegen. So ergeben sich wichtige Hinweise für eine weitere Vertiefung und eventuelle Spezialisierung.
Mit dem Gelernten und der erworbenen Berufserfahrung im Hinterkopf würde ich immer wieder prüfen, ob sich ein Studium als nächster Schritt anbietet.
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Verfasst / Aktualisiert am:
30.12.2025
Bildnachweis:
Erstellt mit ChatGPT by Christian Brackelmanns